Lieber Papa,
vor mehr als einem Monat bist Du über die Regenbogenbrücke gegangen und heute ist ein Tag, den Du besonders mochtest: Heilig Abend.
Als wir klein waren, hast Du jedes Jahr allein den Baum geschmückt, den Du zuvor akribisch ausgesucht hast. Keiner durfte Dir dabei helfen und Du hast es nur schweren Herzens später uns Kinder machen lassen, als Du geschäftlich am Heilig Abend auch mehr unterwegs sein musstest und erst später, zum eigentlichen Feiern heimgekommen bist. Er musste üppig geschmückt sein und Lametta gehörte früher für Dich auch auf jeden Fall dazu.
Wir Kinder durften den Baum meistens erst nach dem Essen sehen, auch wenn wir zuvor oft versucht haben, durch das Schlüsselloch einen Blick auf ihn (und vielleicht auch auf unsere Geschenke) zu erhaschen. Nach dem Essen stand das obligatorische Singen von Weihnachtsliedern auf dem Programm, und mit einem Lied hast Du Dich dabei nie zufrieden gegeben, nein, oft wurde fast das ganze, grüne Liedblatt durchgesungen und Oma Mariele hat uns dabei freudig unterstützt.
Wir Kinder wollten natürlich uns lieber um unsere Geschenke kümmern. Dabei wurden meine Wünsche fast immer erfüllt: zuerst die Struxi-Bahn, später dann die Märklin-Eisenbahn, mit der Du auch nur allzu gerne gespielt hast und die heute noch auf unserem Dachboden steht. Und jedes Jahr war ein neues Brettspiel oder ein Puzzle dabei, was dann am selben Abend noch gespielt wurde bzw. begonnen wurde. Gepuzzelt hast Du oft gerne bis spät in die Nacht, manchmal auch noch, wenn wir eins begonnen hatten, bereits im Bett waren und Du nach Mitternacht vom Kegeln heimgekommen bist.
Ich wünsche mir für Dich, dass Du da oben heute ebenfalls feierst, während Du auf uns herunter blickst. Für den ersten Schnee an Heilig Abend (und das nach vielen Jahren) hast Du ja bereits gesorgt - vielen Dank 🫶
In Liebe, Dein Sohn